“Ein Ort, an dem du nachdenken kannst über das, was wir „Gott“ nennen, darüber, wie wir miteinander leben, und darüber, was diese Welt ist und was sie mit uns macht.“

Warum es Diesseitig.de gibt

Diesseitig ist ein Raum, den ich mir schon lange wünsche. Hier möchte ich das, womit ich mich in meiner Forschung beschäftige, für ein breiteres Publikum zugänglich machen. Ich will über Themen schreiben, die mich bewegen, in einer verständlichen Art, ohne an Tiefe zu verlieren. Gleichzeitig gibt es viele Fragen, die in meiner akademischen Arbeit nur am Rand vorkommen oder dort gar keinen Platz haben.

Was ich mit „diesseitig“ meine

Wenn ich „diesseitig“ sage, meine ich damit, dass der Ausgangspunkt immer diese Welt ist. Es geht um das, was Menschen tatsächlich erleben, nicht um eine abstrakte Idee von Glauben, die über ihrem Leben schwebt. Es geht um ihre Körper, ihre Geschichten, ihre Beziehungen und Konflikte, um Schmerz und Freude, um Hoffnungen und Enttäuschungen. Theologie beginnt für mich nicht im "Himmel", sondern hier.

Ich möchte eine Theologie entwerfen, die Naturwissenschaften und andere Wissenschaften ernst nimmt. Sie sollen nicht wegdiskutiert werden, wenn sie unbequem sind, und auch nicht nur dann vorkommen, wenn sie zufällig bestätigen, was man ohnehin schon glaubt. Stattdessen sollen ihre Erkenntnisse ein Teil der Grundlage sein, auf der ich theologisch arbeite. Die Sorgen, Konflikte und Hoffnungen von Menschen im 21. Jahrhundert gehören ebenso dazu.

Gleichzeitig geht es hier nicht nur um klassische theologische Themen. Auf Diesseitig schreibe ich auch über Filme, Serien, Videospiele, Anime und Cartoons. Diese Medien interessieren mich nicht nur, weil sie unterhalten, sondern weil sie Geschichten erzählen, in denen sich viele Fragen spiegeln, die auch Theologie und Philosophie bewegen. Ich versuche, diese Themen mit einem theologischen Blick zu lesen.

Was du auf Diesseitig erwarten kannst

Was du hier nicht findest: ein Fetischismus für Halal/Harām-Fragen um ihrer selbst willen. Es geht nicht darum, jedes Alltagsdetail in erlaubt oder verboten einzuteilen. Du wirst hier auch keine einfachen Rezepte für komplexe Themen bekommen. Viele Fragen haben keine endgültige Antwort, und ich werde nicht so tun, als wäre es anders.

Diesseitig ist keine Fatwa-Seite, und ich übernehme nicht die Rolle eines Mufti, der dir deine Entscheidungen abnimmt. Auch eine vermeintlich „liberale“ Variante dieser Rolle interessiert mich wenig, weil ich den Begriff „liberal“ im Zusammenhang mit Glauben sowieso problematisch finde. In meiner Theologie und meinem Glaubensverständnis versuche ich, solche autoritären Strukturen und Hierarchien zu erkennen und zu überwinden, statt sie in neuer Form zu reproduzieren.

Was du hier erwarten kannst, ist ein Experimentierraum für Fragen und andere Perspektiven. Die Texte sollen Türen öffnen zu Sichtweisen, die vielleicht ungewohnt oder irritierend sind. Du sollst sie nicht einfach übernehmen müssen, sondern sie prüfen, an ihnen reiben oder auch ablehnen können. Wichtig ist mir, dass überhaupt neue Bilder und Denkmöglichkeiten entstehen.

Diesseitig will Raum geben für Zweifel und Ambivalenz. Glauben ist für viele Menschen nicht mehr etwas, das einfach so feststeht, sondern eine Bewegung, die sich verändert. Hier darf Unsicherheit vorkommen, ohne sofort aufgelöst zu werden. Neue Bilder von Gott, der Welt und dem Menschen dürfen ausprobiert werden, ohne dass sie sofort als richtig oder falsch sortiert werden müssen.

Diesseitig ist kein Ort, an dem du fertig glauben lernen sollst. Du bekommst hier keine vollständige Anleitung für ein „richtiges“ religiöses Leben. Stattdessen ist es ein Ort, an dem du nachdenken kannst über das, was wir „Gott“ nennen, darüber, wie wir miteinander leben, und darüber, was diese Welt ist und was sie mit uns macht.