Die Illusion der Mehrheit
Dieser Text analysiert kritisch das im muslimischen Diskurs verbreitete Argument der „Mehrheit“, das häufig genutzt wird, um abweichende Meinungen ohne inhaltliche Prüfung zu diskreditieren. Er legt dar, wie logische Fehlschlüsse und eine selektive Wahrnehmung der Geschichte dazu führen, dass eine Momentaufnahme des 19. Jahrhunderts als unveränderliche Tradition missverstanden wird. Zudem entkräftet der Artikel gängige Gegenargumente wie den theologischen Konsens oder die Angst vor Verwestlichung und zeigt auf, dass Rationalität tief in der muslimischen Geistesgeschichte verwurzelt ist. Abschließend wird dafür plädiert, die reale Vielfalt im Muslimentum anzuerkennen, statt eine imaginäre Einheit als Machtinstrument zu missbrauchen.
Interreligiöse Ehe für muslimische Frauen
Der Text stellt zwei Ansätze zur Frage vor, ob eine Muslima einen Nichtmuslim heiraten darf: eine traditionelle Sicht, die frühere Normen als zeitlos und verbindlich versteht, und eine historisch-kritische Sicht, die diese Normen im Kontext ihrer Entstehung liest. Er zeigt, dass der Koran und die Überlieferungen des Propheten keine klare Aussage zu dieser konkreten Konstellation machen und dass sich das Verbot erst durch spätere Übertragungen und Machtprozesse verfestigt hat. Die früheren Gründe für das Verbot – sozialer Status, Rechtsverlust, patriarchale Hierarchien und problematische Vorstellungen von Sexualität – passen nach Ansicht des Textes nicht mehr zu heutigen rechtsstaatlichen, pluralen Gesellschaften. Stattdessen wird betont, dass nikah im Kern ein Vertrag ist, den eine standesamtliche Ehe in Deutschland rechtlich und funktional abdeckt. Am Ende plädiert der Text dafür, die Frage der interreligiösen Ehe neu zu bewerten, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung ernst zu nehmen und patriarchale Kontrollmechanismen gegenüber muslimischen Frauen klar zu kritisieren.
Das Alte Testament in muslimischen Quellen
Der Text zeigt, dass der Koran frühere Offenbarungen wie Tora und Psalmen ausdrücklich anerkennt und Muslim:innen sich als Teil einer längeren prophetischen Geschichte verstehen. Statt vom „Alten Testament“ zu sprechen, arbeitet die muslimische Tradition mit Begriffen wie tawrāh, zabūr und isrāʾiliyyāt, die jeweils unterschiedliche Zugänge zu jüdischen und christlichen Schriften markieren. Besonders die Tora erscheint im Koran als Schrift mit „Führung und Licht“, die auf einer himmlischen Ur-Schrift basiert und sich für rechtliche Entscheidungen eignet. Gleichzeitig machen Forschung und Quellenlage deutlich, dass der Begriff tawrāh im Koran oft weiter gefasst ist als nur der Pentateuch und auch andere jüdische Überlieferungen umfasst. Die isrāʾiliyyāt und die Erzählerfiguren der Quṣṣāṣ zeigen schließlich, wie intensiv jüdische und christliche Erzähltraditionen in frühmuslimische Auslegung, Predigt und populäre Frömmigkeit eingeflossen sind. So wird sichtbar, dass Muslimentum und alttestamentliche Traditionen über Jahrhunderte in einem dichten Austausch standen.
Menstruation und Nachfasten: Das Menschenbild der muslimischen Rechtsgelehrten
Der Text nimmt eine Instagram-Frage zu Menstruation, Fasten und Nachfasten zum Ausgangspunkt und zeigt, wie stark Körpererfahrungen, Pflichtgefühl und Schuld im „Muslimentum“ verknüpft sind. Er zeichnet nach, wie gottesdienstliche Rituale historisch zu „Fundamenten“ gemacht wurden, die kaum noch kritisch hinterfragt werden dürfen. Dabei werden Machtprozesse, die Rolle früher Dynastien und die Verengung koranischer Spielräume am Beispiel des Fastens sichtbar. Im Licht moderner Lebensrealitäten, psychischer Belastungen und veränderter Arbeitswelten wird die Frage neu gestellt, was „nicht können“ beim Fasten überhaupt bedeutet. Der Text plädiert für eine Theologie, die Rituale ernst nimmt, aber zugleich die Verletzlichkeit der Menschen und historische Entwicklungen mitdenkt. Am Ende steht die zentrale Frage: Wer ist dein Gott, und welches Gottesbild prägt deinen Umgang mit Fasten, Menstruation und Pflichtgefühlen?